Dinge von denen man dachte, man wär schon zu alt dazu, aber mords Spaß... - Teil 1

Meist nur ungesundes Zeug zu Essen haben, dauernd unter Sauerstoff- und Bewegungsmangel leiden, und sich ständig einem Umfeld von Aggression und ständigen Beleidigungen ausgesetzt sehen.

 Nein, ich rede hier nicht von thailändischen Gefängnissen, sondern von Lanpartys.

 Jedes Jahr machen sich tausende von meist normal aussehenden, fast immer männlichen, jungen Leuten auf den Weg in deutsche Keller, einfach um computer zu spielen bzw. zu daddeln.

 So eine Lan läuft in ihren Grundzügen immer gleich ab. Man kommt an, lacht denjenigen aus der sein Lankabel vergessen hat, merkt das man seinen Netztstecker Daheim liegen hat lassen und fährt ihn holen. Danach baut man auf und schreit noch während des Hochfahrens den Namen desjenigen, von dem man will, dass dieser einem sofort alles einrichtet. Nach etwa 1,5 bis 2,5 Stunden merkt dieser die unrythmische Wiederholung seines Namens und schaut von seinem Counterstrike 1on1 gegen den einzig anderen im Netzwerk auf und fängt an alles einzurichten. Innerhalb kurzer Zeit funktioniert, mehr oder weniger, alles bei allen. Bis auf einem. Dieser Eine wechselt sich normalerweise von Lanparty zu Lanparty ab. Dieser hat irgendein nicht auf anhieb lößbares Problem und bis man weiß was falsch ist, wird einfach schon einmal eine CS-Funmap gespielt. Irgendwann wird der Übriggebliebene so lästig, das man ihm endlich seine Firewall ausmacht, oder sein Lankabel am Switch ansteckt, oder den Bildschirm anmacht.

 Bis es Abend wird läuft alles ganz gut. Die erste Dunkelheit verändert die Leute jedoch. Jetzt ist die Phase in der die aggressive Stimmung aufgebaut wird, die die allerlängste Zeit einer Lan ausmacht. Dass die Spieler nicht wissen das es dunkel wird, hat gar keinen Einfluss darauf. Diese Zeit wird aber durch ein paar signifikante Sätze charakterisiert, wie zum Beispiel: "Hör endlich mal auf ständig zu campen du blöder Penner.", "Ich spiel ganz bestimmt nicht mit euch Warcraft du *******.", "Können wir nicht endlich mit CS aufhören? Das geht so auf die Eier", oder "Deine Mama geht mir auf die Eier."("Deine Mama"-Sprüche werden in einem anderen Teil noch thematisiert.)

 Ist man einmal an diesem Punkt angekommen gibt es kein zurück mehr. Die Pöbeleien mehren sich und alle werden immer bescheuerter. Das ist dann die Phase, in denen in beinahe regelmäsigen Abständen von einem unbekannten alle Mäuse umgedreht werden, oder ein epischer Zweikampf stattfindet, der im Grunde darin besteht dem andern eine Gabel wieder zurück auf dessen Platz zu legen.

 Der letzte Abschnitt einer Lan ist der härteste. Das Vermögen sich verbal auszudrücken geht fast auf Null runter. Trotzdem muss noch jede Frage in Beleidigungsform gestellt werden und die Antwort mindestens entsprechend beleidigend sein. Wer sich nicht daran hält wird beschimpft.

Das ganze endet dann aber auch relativ rasch. Ein letzes mal wird sich gestritten darüber ob "Serious Sam" ein scheiß Spiel ist und man das kotzen kriegt wenn mans spielt oder nicht. Und dann werden auch schon die Stecker gezogen, mit dem Ergebnis, dass kein Spieler in den nächsten 2 Tagen mehr zu gebrauchen ist.

 Jetzt stellt sich natürlich die Frage wozu man sich das ganze freiwillig antut.

Um herauszufinden, warum man sich das tatsächlich immer wieder gibt und dann auch gern macht ist es, denk ich mal, nicht ungut, wenn man wieder in die Zeit der ersten Lan zurückkehrt. Also gedanklich natürlich. Waren das noch Zeit. Man hat sich wie ein Kind darauf gefreut, was irgendwie auch verständlich war, hat Papa dazu gebracht einen mit dem ganzen Equipment hinzufahren und konnte es gar nicht abwarten einfach nur zu zocken ohne das die Eltern einen freundlich dazu auffordern den PC auszumachen mit den Worten:"Verdammt nochmal, mach jetzt endlich diesen Dreckskasten aus, bevor ich das verdammte Ding aus dem Fenster schmeiß!" Es scheint also so als habe das melancholische zurückdenken schon einen Einfluass darauf. Melancholie allein lässt einen jedoch nicht unbedingt solch eine Tortur auf sich nehmen. Man wird eher alte Bilder durchsehen, oder traurige Bücher schreiben, aber keinem virtuell Kugeln um den Kopf schießen, oder und auch niemanden mit einer rießigen Panzerarmee überrollen.

Das heißt man sollte das Spielen an sich nicht unbedingt ganz ausblenden. Es ist doch so wie immer. Man spielt, freut sich das man was cooles gemacht hat (Headshot durch die Mauer gegeben, Superwaffe eingenommen, Gatling in die gegnerische Base gebaut...) und bekommt einen Euphorieschub. Der Sieg und damit das triumphieren über die andern, ist natürlich der Höhepunkt. Die Lan hat den Vorteil, dass man so viel spielt, dass einem das zwangsläufig irgendwann passiert. Natürlich kann man das auch über Internet machen. Wieso also der ganze Stress?

Nun die Antwort ist schon in der Frage enthalten. Man gibt sich den Stress, wegen des Stress. Es ist ein einfaches System. Spannung und Stress wird aufgebaut und wieder schlagartig abgebaut. Dies passiert mehrmals in der Stunde, mit dem wunderbaren nebeneffekt, dass sich auch all das abbaut was man schon vorher mitgebracht hat. Eine Lanparty ist somit ein Klärwerk für die Seele, ein temporäres Walk-in Sanatorium. Und wenn das kein guter Grund ist um zu zocken, dann weiß ich auch nicht mehr.

 

So dann raus mit der Sprache! Hab ich recht, oder red ich bloß übelsten Bullshit? Wie auch immer, schreibt was ihr denkt.

 

Euer S-Bloger

19.8.09 00:33

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


tankie^^ (19.8.09 02:35)
ich hasse leute die mir die maus umdrehn...

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